Was bedeutet Zufriedenheit für dich? Da du hier gelandet bist, ist “Zufriedenheit” für dich wohl eher positiv gefärbt.

Ich erhalte die unterschiedlichsten Antworten auf die Frage, was Zufriedenheit bedeutet;

“Mit mir im Einklang zu sein”

“Glücklich zu sein und nicht innerlich zu irgendwas getrieben werden im Sinne von – das muss noch gemacht werden”

“Mit dem was ich habe glücklich zu sein und trotzdem nach mehr zu streben”

“Ein Zustand, in dem sich die Seele gewärmt und eingekuschelt fühlt. Ein Gefühl, das bleiben darf.”

Am besten gefällt mir diese Beschreibung: “Ein Gefühl von innerem Frieden, Liebe und Glück. Und das sollte eigentlich nicht an äußere Umstände gekoppelt sein.”

Wie siehst du das?

 

Zufriedenheit ist kein billiger Abklatsch des Glücks

Neben den vielen positiven Definitionen, was Zufriedenheit für einzelne Personen bedeutet, höre ich auch ab und zu ziemlich negative. Ein Beispiel dafür ist diese Aussage von einer Bekannten: “Zufriedenheit hat für mich einen Touch von Kompromiss, Arrangement und Selbstbetrug. […] Ich sehe den Sinn des Lebens im glücklich sein. Und das geht mir weit über zufrieden sein hinaus.”

Also kann Zufriedenheit auch als etwas angesehen werden, was dem wirklichen “Glück” im Weg steht. Doch was ist Glück? Und können wir dieses ständig haben. Ich glaube nicht. Allerdings ist Zufriedenheit, im Gegensatz zum Glück, ein Zustand, welchen man in den Hochs und den Tiefs des Lebens beibehalten kann. Denn diese wird es immer geben.

Unser Leben ist wie die Wellenlinie in der Darstellung unten. Hoch und runter geht es immer. Was wir als Normalität betrachten ist der Durchschnitt. So liegt es in der Natur der Dinge, dass wir uns nur in der Hälfte der Zeit überdurchschnittlich fühlen können. Wobei es das Glück, wenn überhaupt, nur auf dem Höhepunkt gibt. Am ehesten entwickeln wir Glücksgefühle, wenn wir vorher eine schlechtere Zeit erlebt hatten und der Unterschied vom Tief zum Hoch lässt uns dieses viel extremer erleben.

Zufriedenheit vs Glück

Zufriedenheit hingegen bleibt. Zufrieden kann man auch in Tiefs sein und diese mögen auch etwas weniger tief scheinen, wenn die Zufriedenheit im Hintergrund bleibt. Passend dazu habe ich diese wunderschöne Definition von Zufriedenheit erhalten: “Wer nicht zufrieden ist mit dem was er hat, wird auch nicht zufrieden sein mit dem was er bekommt. Das sind die weisen Worte einer damals 95-jährigen. Sie sagte, dass sie stets zufrieden war, mit dem was sie hatte, auch zu Kriegszeiten. Ihre Worte begleiten mich auch heute noch. Zu Glück und Zufriedenheit bedarf es sehr wenig.”

 

Die Definition von Zufriedenheit

Auf Wikipedia findet sich folgende Definition;
a) innerlich ausgeglichen zu sein und nichts anderes zu verlangen, als man hat;
b) mit den gegebenen Verhältnissen, Leistungen oder ähnlichem einverstanden zu sein, nichts auszusetzen zu haben.

In der Psychologie wird der Wortbegriff definiert als Übereinstimmung zwischen der Erwartung oder dem Ziel einer Handlung mit dem tatsächlichen Erleben. Dies passiert alles im Inneren unseres Kopfes und hat nichts mit der Aussenwelt zu tun. Wir selbst kreieren unsere Erwartung, was wir mit einer Handlung bewirken möchten und wir interpretieren, was dabei herausgekommen ist. Dabei spielt es weniger eine Rolle, was tatsächlich dabei herauskommt, sondern viel mehr wie wir dies interpretieren.

Synonyme zu Zufriedenheit sind Ausgeglichenheit, Behagen, Eintracht, Erfüllung, Freude, Genugtuung, Harmonie, Seligkeit, Wohlbefinden, Wohlgefühl, Beseligung, Wohlbehagen, Wonne. Wenn ich diese vielen positiven Worte lese, wird mir ganz warm ums Herz. Diese Liste macht klar, was für eine tolle Sache Zufriedenheit ist.

 

Woher kommt Zufriedenheit?

Wie bei all unseren Eigenschaften und unserer Persönlichkeit wird angenommen, dass ein Teil davon genetisch bestimmt ist. Dieser Anteil wird irgendwo bei 30-50% eingeschätzt. Diesen angeborenen Part können wir nicht beeinflussen, bei den anderen 50-70% können wir hingegen sehr gut etwas ändern. Dieser Teil ist erlernt durch unser Erleben, unsere Umwelt und unser Handeln.

Hier können wir eingreifen und unser Leben in Richtung Zufriedenheit verändern. Es ist also keinesfalls so, dass man seinen Genen hilflos ausgeliefert ist. Auch ich habe wohl eher Unzufriedenheitsgene erhalten, doch dabei muss es nicht bleiben, ich habe Zufriedenheit gefunden und ich möchte dir dabei helfen diese ebenfalls zu finden.

Klar drücken die Unzufriedenheitsgene immer mal wieder durch wie kleine Trolle, doch durch Übung kann ich diese rasch verjagen, während sie früher jeweils eine ganze Weile geblieben sind und mich auf alles aufmerksam gemacht haben, was besser sein könnte.

 

Der stetige Kreislauf unseres Lebens

Unsere Gedanken, unser Fühlen, unsere Handlungen und unser Erleben sind in einem ständigen Kreislauf, wobei sich alle Bereiche gegenseitig beeinflussen.

Gedankechreislauf - Fühlen Handeln Erleben

Unsere Gedanken und mit ihnen unsere verinnerlichten Glaubenssätze oder Mindsets bewirken, wie wir uns fühlen, wie wir handeln und wie wir unser Handeln erleben. Das Fühlen, Handeln und Erleben laufen in einem ständigen Kreislauf ab.

Zufriedenheit würde in dieser Darstellung bedeuten, dass unsere Erwartung, welche wir in den Gedanken gebildet haben mit dem Erleben der Handlung übereinstimmt. Wie du in dem Kreislauf sehen kannst, passiert so einiges dazwischen. Von den Gedanken geht es weiter über die Gefühle und die Handlung bis zum Erleben. Das Erleben wiederum bestimmt, wie wir uns fühlen.

Lass uns ein Beispiel anschauen wie dieser Kreislauf in derselben Situation unterschiedlich verlaufen kann. Zum Beispiel die Abschlussprüfung deiner Weiterbildung. Deine Erwartung ist, die Prüfung zu bestehen.

Beispiel 1 – du bist überzeugt, dass du genügend gelernt hast und du die Prüfung bestehen wirst, wenn nichts Unerwartetes passiert (Gedanken). Du bist zwar etwas nervös, doch fühlst dich selbstbewusst und voller Energie (Fühlen). Du beantwortest alle Fragen bestmöglich (Handlung) und bist zufrieden, wenn du die Prüfung beendest (Erleben). In diesem Beispiel stimmen Erwartung und Erleben überein und es kommt zu einem positiven Ergebnis.

Beispiel 2 – du zweifelst, ob du genügend gelernt hast und vermutest, dass die Prüfer genau das fragen werden, was du nicht so gut kannst (Gedanken). Du hast unglaublich schlecht geschlafen und bist mit deinen Nerven am Ende (Fühlen). Du beantwortest die Fragen verunsichert und zwischendurch hast du sogar ein Blackout (Handeln) und bist völlig unzufrieden mit dir, sowie wütend über die unmöglichen Fragen (Erleben).

In diesen beiden Beispielen spielt es keine Rolle, wie gut du vorbereitet bist, sondern wie viel du dir zutraust und mit welcher Einstellung du an die Prüfung herangehst. Obschon, die Ausgangslage und die Fragen an der Prüfung identisch sind, ist das Outcome ein völlig anderes.

Wie du in dem Beispiel siehst, bewirkt der Zustand der Zufriedenheit, dass du auf konstruktivere Art mit Situationen umgehen kannst. Schwierige Lebenssituationen können einfacher bewältigt werden und die schönen Momente werden besser wahrgenommen.

Um zu mehr Zufriedenheit zu finden, kannst du in jedem Bereich des Kreislaufes eingegreifen. Am wirkungsvollsten ist es, wenn Veränderungen in verschiedenen Bereichen stattfinden. Diese beeinflussen sich gegenseitig positiv, so dass sich nach einer anstrengenden Anfangsphase sehr rasch Verbesserungen einstellen werden. In unserem Beispiel wäre es möglich an den Gedanken etwas zu verändern, indem das Selbstbewusstsein gestärkt wird. Ein Spaziergang vor der Prüfung kann ebenfalls gegen Nervosität helfen.

In weiteren Artikeln und später in dem Buch, an welchem ich zur Zeit arbeite, erfährst du mehr darüber, wie du die Unzufriedenheits-Trolle verjagen kannst.

Goni Boller ist Biologin und Zufriedenheits-Coach. Seit vielen Jahren befasst sie sich mit den Grundlagen des guten Lebens und wie man Zufriedenheit finden kann.