Wer bist du?

Warum bist du so, wie du bist?

Warum verhältst du dich so, wie du dich verhältst?

Hast du Antworten auf diese Fragen? Befasst du dich überhaupt damit? Ich kenne einige Menschen, denen es super geht, ohne sich diese Gedanken zu machen. Doch für uns anderen ist es wichtig, dass wir einige Tools an die Hand bekommen, um solche Fragen anzugehen, sonst drehen wir uns im Kreis und im Kreis und im Kreis.

Wir sollen über uns selbst nachdenken, doch gelernt wie das funktioniert haben wir nie. Stattdessen lernen wir uns auf das Äussere zu fokussieren, wenn doch die Welt nur so wäre, wie wir sie gerne hätten, dann wären wir selbst auch viel erfolgreicher, schöner und netter. Nur interessiert dies die Welt nich. Wir können nur etwas ändern, wenn wir uns uns unser Verhalten reflektieren.

In diesem Artikel erfährst du, wie dies funktioniert.

 

Was ist Selbstreflexion?

Selbstreflexion bedeutet, dass du dich selbst, dein Denken und dein Handeln beobachtest und dies kritisch hinterfragst. Viel häufiger begegnen wir allerdings der Rechtfertigung von Denken und Handeln anstatt einer Auseinandersetzung damit. Kritik an sich selbst ist immer schwierig, viel lieber beschuldigen wir jemand anderes, das Schicksal oder die Ungerechtigkeit der Welt. Wir alle wollen gut sein, dies führt bei den einen dazu viel zu kritisch mit sich selbst zu sein und bei den anderen zu Selbstverherrlichung. Zu welcher Seite gehörtst du?

Wenn du einen Fehler gemacht hast, bist du dann von dir enttäuscht und hältst dich für unfähig oder machen sowieso eigentlich immer die anderen Fehler? Falls du dich für unfähig hältst gehörts du höchstwahrscheinlich zu der Gruppe, die zu kritisch ist. Glaubst du aber, dass eher die anderen Fehler machen, dann täte dir etwas mehr Selbstreflexion nicht schlecht. Zur Selbstreflexion gehört es auch zu erkennen, wenn man zu kritisch mit sich selbst ist.

Die Selbstreflexion hilft herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen, wie man diese gezielt einsetzen kann und was man für Entwicklungspotenziale hat. Ebenso erkennst du dadurch Schwächen, die müssen nicht unbedingt behoben werden, sondern können auch einfach so akzeptiert werden. Selbstreflexion ist wichtig, um künftig bewusster zu handeln und zu entscheiden, um nicht dieselben Fehler immer und immer zu wiederholen.

Aussagen wie “ich bin halt so” und “die Anderen sind Schuld” bringen uns dabei nicht weiter.

Wer über sich selbst nachdenkt und sich beobachtet, der lernt seine Stärken, Schwächen, Vorlieben und Verhalten kennen. Für die meisten Menschen ist dies eine grundlegende Voraussetzung für ein gutes Leben und ein bestimmtes Verhaltensmuster verändern zu können. Selbst reflektierte Menschen kenne ihre Einstellung zum Leben besser, können sich oft besser von ihrem Umfeld abgrenzen und lassen sich weniger stark durch Äusseres beeinflussen.

menschen lehren

Überzeugt, dass dir das was bringt? Dann erfahre nun, wie dies funktioniert.

 

Einstieg in die Selbstreflexion

Um einen Einstieg in die Selbstreflexion zu finden ist es oft am Einfachsten sein Verhalten anzuschauen. Eine heftige Reaktion, ob verbal oder gefühlsmässig, kann oft auf ein zugrundeliegendes Problem hinweisen.

So habe ich beispielsweise Angst vor Zurückweisung und toleriere deshalb viel mehr unangebrachtes Verhalten von Anderen. Wenn ich also beobachte, dass ich auf ein unangemessenes Verhalten mir gegenüber nicht reagiere, so kann dies auf eine Angst oder auf ein Harmoniebedrüfniss hindeuten. Innerlich bin ich aber trotzdem enttäuscht von der anderen Person, die vielleicht gar nichts mitbekommen hat.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig Selbstreflexion ist, denn erst kommt die Erkenntnis und dann kann man etwas ändern. Ich weiss nun, dass ich diese Angst habe und versuche diese so oft wie möglich zu überwinden. Denn meist passiert gar nichts, wenn du zum Beispiel jemanden freundlich darauf hinweist, dass eine Aussage unangebracht war. Viel eher tut es dieser Person leid und man kann die Situation schnell auflösen.

Ohne Selbstreflexion würde sich diese Situation immer und immer wiederholen.

 

Reizüberflutung

Wir lenken uns gerne davon ab, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen. Wir haben kaum noch einen ruhigen Moment, immer ist das Handy bei uns, wann immer wir ein paar Minuten freie Zeit haben scrollen wir durch Facebook und schauen lustige Katzenvideos. Abends treiben wir Sport, treffen Freunde, schauen Netflix oder beschäftigen uns mit anderen Dingen.

Dabei bleibt uns keine Möglichkeit, keine Zeit, über unsere Gedanken, unser Verhalten und unsere Grundsätze nachzudenken. Wie viel Zeit verbringst du pro Tag auf Facebook? Vielleicht könntest du 10 Minuten davon stattdessen mit Selbstreflexion verbringen?

Wir brauchen uns nicht stundenlang jeden Tag mit uns selbst auseinanderzusetzen. Es genügt nachdem wir wütend, traurig oder gelangweilt wurden, uns zu überlegen, was dieses Gefühl ausgelöst hat – nicht im Umfeld, sondern in uns drin. Das dauert jeweils nur einige Augenblicke.

Es kann ein längerer Prozess sein, besser darin zu werden, sich selbst zu beobachten. Doch bringt es dich immer wieder einen kleinen Schritt weiter, im Gegensatz zu den Katzenvideos. Ausser du bist eine Katze oder verdienst dein Geld mit YouTube.

 

Wie geht Selbstreflexion

1) Führe Buch

Besorge dir ein kleines Notizbuch und schreibe dir auf, was du bei dir selbst beobachtest oder schreibe es in eine App (ich benutze Evernote). Allerdings finde ich grundsätzlich Notizbücher besser, jedes Mal wenn du dein Handy hervornimmst bist du geneigt, dich ablenken zu lassen.

2) Reaktionen beobachten

Beobachte deine Reaktionen auf extreme Situationen, wie auch auf alltägliches. Fällt etwas auf? Gibt es bestimmte Verhaltensmuster, welche immer wieder aufkommen oder gewisse Verhaltensweisen von Anderen, welche immer die gleiche Reaktion bei dir auslösen?

Stelle folgende Fragen, um diese Reaktionen zu analysieren:

  • Hätte eine andere Person in dieser Situation ebenso reagiert?
  • Wie hätte man anders (besser) reagieren können?
  • Warum habe ich nicht so reagiert?
  • Warum hat mich diese Situation so verletzt / wütend gemacht / aufgebracht?
  • Welcher Gedanke kam in mir auf?
  • War dieser Gedanke realistisch oder worauf basiert er?
  • Basieren diese Gedanken auf meinen eigenen Überzeugungen oder vielleicht von Menschen aus meinem Umfeld?
3) Fragen stellen

Je nach Lebenssituation und wie viel Erfahrung du mit Selbstreflexion hast möchtest du dir unterschiedliche Fragen stellen. Schreibe auf, was auch immer dir zu einer Frage in den Sinn kommt, dies können Sätze, Worte, Bilder, egal was sein. Am besten ist es einen Moment einfach drauflos zu schreiben, bis eine Weile nichts mehr neues kommt.

Was bei mir am besten funktioniert ist eine Frage zu stellen und dann 10 Antwortmöglichkeiten dazu zu finden. Höre nicht eher auf nachzudenken, bevor du 10 Punkte dazu notiert hast. Dabei spielt es keine Rolle, ob deine Antworten komisch scheinen, schreibe einfach alles auf, was dir in den Sinn kommt.

  • Welche Talente habe ich?
  • Welche Träume habe ich?
  • Was macht mich glücklich?
  • Wann fühle ich mich zufrieden?
  • Wofür bin ich dankbar?
  • Ich liebe an mir, dass….
  • Ich nehme Dinge oft persönlich, weil….
  • Ich habe Angst, wenn….
  • Ich wäre zufriedener, wenn….
  • Wenn ich nochmals von Vorn beginnen könnte, was würde ich anders machen?
  • Alles wäre besser, wenn….
  • Ich würde weniger oft wütend, wenn….

Fragen zur Lebensführung

  • Wie würde mein Traumberuf aussehen?
  • Was möchte ich im Leben erreichen?
  • Was bedeutet Erfolg für mich?
  • Was möchte ich in meinem Leben ändern / verbessern?
  • In welche Richtung möchte ich mich entwickeln?

Fragen zu den gesteckten Zielen

  • Warum ist mir dieses Ziel so wichtig?
  • Welche Bedürfnisse werden mit dem Erreichen dieses Ziels befriedigt?
  • Ist es wirklich mein Ziel?
  • Was müsste ich tun / worauf müsste ich verzichten, um das Ziel zu erreichen?
  • Warum habe ich noch nicht begonnen daran zu arbeiten?
  • Glaube ich, dass ich das Ziel erreichen kann?
  • Wenn nein: Warum glaube ich diesen Zweifeln?
  • Was hält mich davon ab, genau in diesem Moment mein Vorhaben zu starten?

Suche dir ein paar gute Fragen daraus aus und schreibe sie in der App oder deinem Notizbuch auf. Wann immer du etwas ruhige Zeit hast suche dir eine Frage heraus und beantworte sie. Dies kann beim Warten auf den Bus, beim Zugfahren, in der Mittagspause oder Abends auf der Terasse sein.

Noch besser ist natürlich, wenn du dir so richtig Zeit dafür nehmen kannst und dich eine Stunde mit deinem Notizbuch hinsetzt, um die Fragen zu beantworten.

Oder du bewegst dich fernab von allen Ablenkungen in die Natur, gehst wandern und überlegst dir dabei die Antworten. Vielleicht setzt du dich an eine schöne Stelle unterwegs und reflektierst dort.

4) Den Tag revue passieren lassen

Wenn du es schaffst dir Abends (oder Morgens oder irgendwann, wann es gerade passt) einen Moment Zeit zu nehmen, um die letzten 24 Stunden anzuschauen. Frage dich,

  • was dir Spass gemacht hat
  • was unangenehm war
  • was funktioniert hat und was weniger gut
  • welche Gespräche dich weitergebracht haben
  • wie produktiv du warst oder was dich davon abgehalten hat, produktiv zu sein
  • gab es eine Situation, wo du mit dir selbst unzufrieden warst
  • ob du heute die Person warst, die du gerne sein möchtest
  • wer oder was dich beeinflusst hat
  • was du Neues gelernt hast
  • wofür du heute dankbar bist
  • was du morgen anders machen möchtest

Suche passende Fragen für dich aus der Liste aus. Nicht alle Fragen sind für uns alle relevant und jeder möchte unterschiedlich viele Fragen unterschiedlich ausführlich beantworten.

Durch diese Fragen lernst du dich besser kennen und was dir gut oder nicht so gut tut. Versuche dann mehr von dem Guten in dein Leben zu holen und die nicht so guten Dinge zu vermeiden, wenn das möglich ist.

Oder vielleicht findest du einen Weg, wie du mit den nicht so guten Dinge besser umgehen kannst, wenn du sie erst mal identifiziert hast.

5) Finde Denkmuster

Halte in deinen Antworten ausschau nach Denkmustern, sogenannten Glaubenssätzen. Dies sind Grundsätze, welche wir uns teilweise vor langer Zeit angeeignet haben und unbewusst nach ihnen handeln. Oft sind sie für unsere heutige Situation nicht mehr aktuell oder waren noch nie hilfreich.

Sobald diese Denkmuster erkannt wurden, dann kann auch etwas daran geändert werden.

Schenke allen (Glaubens)sätzen mit “muss, darf, soll, man, andere, nie(mals), immer, keine, alle” besondere Aufmerksamkeit.

Solche Glaubenssätze können sein:

  • Ich soll immer freundlich sein.
  • Man darf keine Fehler machen.
  • Um den perfekten Partner zu finden muss ich erst schlank sein.
  • Erst wenn ich viel Geld verdiene, werde ich stolz sein.
  • Ich bin halt nicht so schnell.
6) Tue dies 30 Tage lang!

Aller Anfang ist schwer. Gewohnheiten und Verhaltensmuster zu überdenken und vor allem anzupassen kann sehr unbequem und anstrengend sein. Einerseits mag unser Gehirn keine Veränderungen und möchte weiter in den bekannten, automatisierten Bahnen weiterlaufen, andererseits vermitteln uns gewohnte Sachen Sicherheit.

Nach und nach wird sich dein Gehirn jedoch daran gewöhnen, dass es sich selbst beobachten und über sich nachdenken soll. So wird es täglich einfacher und selbstverständlicher dies zu tun. Im besten Fall ist es nach 30 (oder vielleicht schon 15 oder erst 40) Tagen zu einer Gewohnheit geworden und du behältst dies als festen Bestandteil in deinem Leben bei.

Vielen Menschen gelingt es diese Selbstreflexion selbst durchzuführen. Ansonsten könnte es Sinn machen sich einen Coach zu suchen, dieser kann dabei helfen die richtigen Fragen zu stellen. Gerne unterstütze ich dich auf deinem Weg mit einem Zufriedenheits Coaching.

Hast du einen Tipp, wie es mit der Selbstreflexion besser klappt? Ich freue mich in den Kommentaren mehr darüber zu erfahren!