Ist das Leben unfair und deshalb bist du nicht zufrieden?

Wenn du nur mehr Glück hättest, dann könntest du zufrieden sein?

Glaubst du Zufriedenheit sei etwas, was durch äussere Umstände zu dir gebracht werden müsste?

Du hast Glück, denn so ist es nicht.

Du kannst Zufriedenheit lernen und musst dich nicht auf das Schicksal oder den Zufall verlassen, damit du Zufriedenheit erfahren kannst. Du kannst sie jetzt haben und der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall!

Ich kann selbst manchmal gar nicht glauben, wie toll sich Zufriedenheit anfühlt. Ich war früher ein eher unzufriedener Mensch. Durch verschiedene Lebensabschnitte hindurch habe ich immer darauf gehofft, dass sich endlich alles zum Guten wenden würde und das Glück zu mir finden würde. Doch nichts änderte sich. Meine Umstände änderten sich, doch meine Zufriedenheit stieg immer nur sehr kurzfristig.

Doch irgendwann realisierte ich, dass ich die Zufriedenheit nicht im Aussen finden würde. Nicht die Beförderung oder die Lohnerhöhung, nicht die Weltreise, nicht der neue Partner und schon gar nicht der grössere Fernseher werden eine innere Ausgeglichenheit bewirken können. Nur eine Veränderung im Inneren kann Zufriedenheit hervorbringen.

Mit dieser Zufriedenheit als Grundlage gelang es mir dann endlich, auch im Aussen die Dinge zu verändern. Ich versuchte mein Leben 15 Jahre lang von der falschen Seite her zu verändern. Es begann in den Teenagerjahren, als ich dachte, wenn ich nur schlanker, hübscher und beliebter wäre, dann wäre alles anders und ich wäre glücklich. Später war es der perfekte Partner, der dann nicht so perfekt war, dann das Studium, dann der Job, dann die Lohnerhöhung und so weiter.

Geändert hat sich dies erst nach einer Trennung mit dem Wissen, dass ich bald meinen Job verlassen und auf eine lange Reise aufbrechen würde. So drastisch müssen die Veränderungen aber bestimmt nicht sein, um die innere Einstellung zu verändern. Der Auslöser war, dass ich angefangen habe mich in dieser Zeit mehr mit mir, damit was in unseren Köpfen vorgeht und den Interaktionen zwischen Menschen auseinanderzusetzen.

Nach und nach haben sich meine Einstellung, meine Erwartung und meine Gedanken verändert und mit ihnen mein Erleben. Ich habe eine grundsätzliche Zufriedenheit entwickelt. Diese ist im Normalfall einfach schön, in Glücksmomenten der Wahnsinn und sogar in Krisensituationen kann ich darauf zurückgreifen.

Krisensituationen sind im menschlichen Leben eher der Normalfall als die Ausnahme. Es gibt immer wieder grössere und kleinere Krisen mit denen wir umgehen lernen müssen. Doch mit einer Grundzufriedenheit kann man diese schneller überwinden. Die Fähigkeit mit Krisen umgehen zu können, Resilienz (LINK), geht Hand in Hand mit der Zufriedenheit.

 

Wie geht denn nun Zufriedenheit lernen?

Zufriedenheit lernen geht kaum direkt, sondern nur über Umwege. Direkt wäre möglicherweise, dir immer wieder zu sagen, dass du zufrieden bist, bis du es dir selbst glaubst. Dies würde in den Bereich des positiven Denkens hineingehen, doch daran glaube ich nicht. Wenn es für dich funktioniert, umso besser, doch dann würdest du wohl nicht diese Worte lesen. Was jedoch funktioniert ist beispielsweise an grundsätzlichen Einstellungen zur Lebensführung, am Umgang mit sich selbst und anderen zu arbeiten und sein Handeln zu überdenken.

In dem Artikel über Zufriedenheit habe ich den Kreislauf vorgestellt, wie unser Denken, Fühlen, Handeln und Erleben vereinfacht abläuft. Dabei hängen alle Bereiche zusammen.

Gedankechreislauf - Fühlen Handeln Erleben

In jedem dieser Bereiche gibt es verschiedene Möglichkeiten einzugreifen und dadurch mehr Zufriedenheit zu erlangen.

Lass uns einige Beispiele anschauen.

 

Zufriedenheit lernen durch Veränderung des Fokus

Wenn dir an einem Tag fünf gute Dinge passieren und fünf schlechte Dinge, welche fallen dir mehr auf? Du bist ausgeschlafen aufgestanden, bist mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren, hast ein erfolgreiches Meeting geleitet, hattest eine unterhaltsame Mittagspause mit netten Kollegen und hast einen schönen Abend mit deinem Partner verbracht. Doch du hast auch am Morgen Kaffee verschüttet, in einem wichtigen Text einen Fehler gemacht, den Jahrestag deiner Eltern am Vortag vergessen, zu viel Süsses gegessen und warst nicht beim Sport. Was geht am Ende des Tages in deinem Kopf vor?

Leider neigen wir dazu, unsere Gedanken nur um die negativen Dinge kreisen zu lassen. Sogar noch extremer als in obigem Beispiel beschrieben. Wenn du die 5 positiven Dinge erlebt hast und nur eines der negativen, kreisen die Gedanken trotzdem oft um das negative. Sich dieser Verzerrung bewusst zu werden kann schon viel bewirken – wenn deine Gedanken nur um den einen Fehler kreisen, dann kannst du dir überlegen, wie du den Fehler das nächste Mal vermeidest und dann deine Gedanken auf all die tollen Dinge lenken, die dir an dem Tag widerfahren sind.

 

Zufriedenheit lernen durch Körperhaltung und Gesichtsausdruck

In verschiedensten Studien konnte gezeigt werden, dass unsere Körperhaltung und unser Gesichtsausdruck sehr viel dazu beitragen, wie wir uns fühlen. Wenn du lächelst und aufrecht stehst, wirst du dich viel besser fühlen, als wenn du auf deine Füsse schaust und die Stirn runzelst. Doch wie kann man das umsetzen?

Wenn alles doof ist, dann ist dir logischerweise nicht darum zu lächeln. Logisch, mir auch nicht. Zwei Übungen, die für mich gut funktionieren sind einerseits mir vorzustellen, wie es sich anfühlen würde, wenn ich lächeln würde. Also nicht ein Lächeln zu erzwingen, sondern mir nur vorzustellen, wie es wäre. Probier es mal aus. Hat sich bei dir der Gesichtsausdruck auch gleich etwas aufgehellt? Bei mir funktioniert das super. Das andere ist das Gefühl des Lächelns ins Gesicht zu bringen, ohne dabei zu lächeln. Vielleicht bist du aber auch jemand, der es schafft einfach so zu lächeln, auch wenn alles doof ist. Gut für dich, dann tue das.

Versuche jedes Mal, wenn du daran denkst diese Übung zu machen. Dazu musst du nicht schlechter Laune sein, versuche es einfach so grundlos.

 

Zufriedenheit lernen durch Entschleunigung

Dauernd etwas nachzulaufen macht unzufrieden, darüber sind wir uns wohl alle einig. Auch haben wir alle schon oft davon gehört, wir sollen entschleunigen und können trotzdem nichts damit anfangen. Konnte ich auch lange nicht. Ich habe doch keine Zeit und langweilig ist es auch.

Erst durch die Meditation habe ich gelernt diese kleinen Momente zu schätzen. Du musst dafür nicht anfangen täglich stundenlang zu meditieren. Ein paar Mal pro Tag eine Minute stoppen bringt schon sehr viel. Versuche es genau jetzt. Setze dich aufrecht hin, schliesse die Augen (erst nachdem du den Rest der Instruktion gelesen hast) und konzentriere dich auf den Atem. Zähle dabei mit; einatmen – eins, ausatmen – zwei, einatmen – drei, ausatmen – vier und wieder von Anfang 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4. Wenn Gedanken die Zahlen verdrängen lasse sie ziehen wie Wolken am Himmel und beginne wieder bei eins zu zählen. Mache diese für eine Minute oder einfach so lange, wie es sich gut für dich anfühlt.

Na? Hast du es ausprobiert? Wie fühlst du dich? Versuche dies immer mal wieder zu machen. Ich versuche das auch, vergesse es aber immer mal wieder und erinnere mich abends im Bett daran. Auch ok, dann hole ich es am Abend nach.

Haben dir die Übungen gefallen? Mehr davon präsentiere ich dir in meinem ebook “9 Sofort-Übungen zu mehr Zufriedenheit”

 

Zufriedenheit lernen – Unzufriedenheit oder Gleichgültigkeit

Eine Kritik an der Zufriedenheit bekomme ich oft zu hören; wenn man nur zufrieden sei, dann bleibe man stehen, fange sich möglicherweise an zu langweilen und würde im schlimmsten Fall gleichgültig.

Ich glaube allerdings, dass das eine das andere ausschliesst. Jemand der stehen bleibt, sich langweilt oder gleichgültig ist, den würde ich nicht als zufrieden bezeichnen, sondern als stehen geblieben, gelangweilt oder gleichgültig.

Wir tun gut daran, unseren Kopf ständig etwas zu fordern, indem wir Neues lernen und uns weiterentwickeln. Neugierde heisst hier das Zaubermittel. Sie kann dich für Neues begeistern, schenkt dir Motivation um etwas zu lernen und aktiv zu bleiben. Neugierde ist eine wunderbare Eigenschaft, schade, dass so viele von uns diese im Laufe unseres Lebens verlieren. Denn als Kinder waren wir alle sehr neugierig. Versuche neugierig an neue Situationen, an andere Menschen und an dein eigenes Denken heranzugehen.

Natürlich wird es auch den Neugierigsten unter uns wird kaum gelingen immer nur zufrieden zu sein. Das ist auch ok. Wir müssen nicht immer ununterbrochen zufrieden sein. Zufriedenheit kann man lernen und es lohnt sich auf jeden Fall genau jetzt damit zu beginnen.

Goni Boller ist Biologin und Zufriedenheits-Coach. Seit vielen Jahren befasst sie sich mit den Grundlagen des guten Lebens und wie man Zufriedenheit finden kann.