Wie viel Resilienz besitzt du? Möchtest du mehr davon? Weisst du überhaupt, was es ist?

Viele glauben mehr davon zu brauchen, obschon wir noch gar nicht so ganz verstanden haben, was es bedeuten soll.

Das Wort ist in aller Munde, es wurden Bücher darüber geschrieben und unzählige Blogposts. Ist diese Resilienz vielleicht sogar besser als Zufriedenheit? Oder kommen die beiden vielleicht sogar im Doppelpack? Kann ich das kaufen?

In diesem Artikel erkläre ich dir, was Resilienz ist und warum du dich nicht zwischen Resilienz und Zufriedenheit entscheiden musst.

Was ist Resilienz

Resilienz ist die Widerstandsfähigkeit und Stärke, auf welche Personen in Krisensituationen zugreifen können. Im Gegensatz dazu steht die Verletzlichkeit. Eine resiliente Person vertraut nicht auf das Glück oder den Zufall, sondern nimmt die Dinge in die Hand und hat zusätzlich ein realistisches Bilder der eigenen Fähigkeiten.

Diese Aussage passt auch auf die zufriedene Person. Es geht nicht darum schlechte Gefühle oder Krisen zu verdrängen, sondern diese anzunehmen und sich dabei aber bewusst zu sein, dass man selbst die Reaktion darauf steuert.

Resilienz ist nicht eine einzelne Fähigkeit, ähnlich wie Zufriedenheit, sondern besteht aus vielen verschiedene Faktoren, die helfen eine Person emotional und psychisch stabiler zu machen.

Es gibt eine Vielzahlt an Resilienzfaktoren. Die Psychologen Reivich und Shatte haben in ihrem viel zitierten Buch zum Thema Resilienz 7 Eigenschaften herausgearbeitet, welche resiliente Personen teilen. Diese Auflistung gibt ein Gefühl dafür, was disese Fähigkeit ausmacht.

 

1. Bewusstsein und Steuerung der Emotionen

Resiliente Personen empfinden nicht weniger Emotionen als andere, sie haben jedoch gelernt, diese Emotionen besser wahrzunehmen und zu akzeptieren. Die Emotionen müssen nicht zwingend eine Reaktion auslösen, sondern werden bewusst gesteuert.

Über Emotionen zu sprechen fällt resilienten Personen leichter. Sie wissen auch, dass es zum Leben gehört positive und negative Emotionen zu erleben. Mit den negativen Emotionen können sie grundsätzlich besser umgehen, als weniger resiliente Menschen.

 

2. Impulskontrolle

Resilitente Personen sind fokussierter und lassen sich weniger ablenken. Impulskontrolle hilft bei der Erledigung von Aufgaben, die vielleicht nicht so viel Spass machen. Diese Fähigkeit kommt auch in anderen Bereichen zum Tragen, zum Beispiel um nicht dem Impuls den Fernseher einzuschalten nachzugeben, wenn man eigentlich laufen wollte. Durch eine bessere Kontrolle der Impulse können Ziele besser verfolgt werden.

Ebenfalls hilft diese Fähigkeit dabei auf Sitationen angemessen zu reagieren. Die Impulskontrolle erlaubt es, erst die Situation zu analysieren und erst eine gute Reaktion zu finden. Dies erleichtert den Umgang mit schwierigen Situationen und Mitmenschen enorm.

 

3. Realistischer Optimismus und Denkweise

Resiliente Personen haben eine grundsätzlich positive Haltung sich selbst und der Welt gegenüber. Sie glauben an sich und daran, dass sie ihre Ziele erreichen können. Dieses Selbstbewusstsein hilft dabei Dinge anzugehen, ohne sich von der Umgebung zu sehr beeinflussen oder sich von Rückschlägen entmutigen zu lassen.

Realistischer Optimismus bedeutet, sich nicht das Blaue vom Himmel zu wünschen, sondern positiv zu sein, aber nicht das Unmögliche zu erwarten. Widrige Situationen und Fehler werden als Möglichkeit wahrgenommen zu wachsen.

 

4. Flexibles Denken zur Problemlösung

Flexibles Denken lässt den resilienten Menschen ein Problem oder eine Situation aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachten. Dadurch ergeben sich verschiedene Lösungsmöglichkeiten und es gibt immer einen Plan B. Wer schon eine Alternative bereit hat, lässt sich viel weniger aus der Ruhe bringen.

Diese Fähigkeit beinhaltet auch Bereitschaft und die Fähigkeit sich selbst und Geschehnisse zu analysieren. Durch diese Fähigkeit erkennt ein resilienter Mensch die Auslöser für seine Emotionen und Reaktionen besser. Ein resilienter Mensch ist sich bewusst, dass sich alles dauernd verändert. Die Flexibilität erlaubt es, besser auf diese Veränderungen eingehen zu können.

 

5. Selbstwirksamkeit und persönliche Verantwortlichkeit

Resiliente Menschen glauben nicht daran, dass ihnen Dinge einfach so widerfahren, sondern sind sich bewusst, dass sie ihr Schicksal zu einem wesentlichen Teil selbst in der Hand haben. Sie wissen, dass sie für ihre Entscheidungen und Aktionen verantwortlich sind und haben Vertrauen in gefällte Entscheidungen. So verfallen sie nicht in eine Opferrolle, sondern reagieren auf Schicksalsschläge und schwierige Situationen mit Lösungen, um die Dinge zu einem Besseren zu wenden.

“Auf das Vertrauen und das Wissen wie man mit den Dingen umgeht, die einem das Leben in den Weg wirft, folgt das Selbstvertrauen.” – Reivich

 

6. Empathie

Empathie bedeutet sich gut in andere Menschen einfühlen zu können und so die Perspektive zu ändern. Durch diese Eigenschaft hat der resiliente Mensch bessere persönliche Beziehungen und kommt auch besser mit Personen klar, die anderer Meinung sind.

 

7. Reaching out

Dies ist die Fähigkeit sich anderen anzuvertrauen und andere um Hilfe zu bitten, wenn nötig. Auch Neugierde gehört in diese Kategorie und neue Herausforderungen anzunehmen.

Diese Eigenschaften und viele weitere ergeben gemeinsam das Mass, wie gut eine Person mit den Widrigkeiten des Lebens umgehen kann.

Viele Eigenschaften überschneiden sich mit denen, welche die Grundlage für die Zufriedenheit bilden. So ist ein resilienter Mensch oft auch ein zufriedener Mensch und umgekehrt.

 

Zufriedenheit vs. Resilienz

Zufriedenheit und Resilienz haben sehr viel gemeinsam. Zum Beispiel, dass sie eine Kollektion von Fähigkeiten und Einstellung sind, welche immer vorhanden sind, in guten und in schlechten Zeiten. Zufriedene und resiliente Personen können jederzeit auf diese Eigenschaften zugreifen. Auch sind sich die einzelnen Faktoren sehr ähnlich. Diese sind erlernbar, jedoch Zufriedenheit oder Resilienz als Ganzes nicht.

Der Unterschied ist, dass die Resilienz erst in Krisensituationen sichtbar wird, in der Fähigkeit mit der Krise umzugehen und sich davon zu erholen. Hingegen kann die Zufriedenheit in der Krisensituation unsichtbar werden. Bei der Erholung von der Krise greift allerdings auch die Zufriedenheit wieder, wenn die Positivität zurückkehrt und hilft Stärke zu finden.

Wie alle Fähigkeiten können die meisten von uns Zufriedenheit und Resilienz nicht einfach plötzlich anwenden, sondern müssen diese lernen. Es bedarf Übung und Ausdauer, um sich diese Eigenschaften beizubringen, doch wird es mit der Zeit einfacher. Es ist ähnlich, wie wenn du eine neue Sprache lernst. Am Anfang ist das Lernen einzelner Wörter schon ein grosser Aufwand, doch nach viel Üben sprichst du die Sprache fliessend und kannst dir teilweise sogar komplexe Redewendungen nach einem Mal hören merken.

Zufriedenheit oder Resilienz – was findest du erstrebenswerter? Teile deine Erfahrung in den Kommentaren

 

Goni Boller ist Biologin und Zufriedenheits-Coach. Seit vielen Jahren befasst sie sich mit den Grundlagen des guten Lebens und wie man Zufriedenheit finden kann.